Man fragt sich häufig, wie bestimmte Menschen ihre vielfältigen Aktivitäten unter einen Hut bringen. Sie interessieren sich zum Beispiel für Mountainbiking, spielen regelmäßig Tennis und gehen am Wochenende auch noch zum Surfen. Ihre berufliche Karriere verläuft alles andere, als in geregelten Bahnen. Was haben sie schon alles gemacht? In welchen Bereichen haben sie sich – übrigens gar nicht mal erfolglos – engagiert? Es scheint sich um wahre Multitalente zu handeln.

Bäumchen, wechsle Dich

Das auf den ersten Blick unterhaltsam anmutende Phänomen des Aktivitäten-Hoppings, hat, nicht zuletzt für Betroffene, einen ernsten Hintergrund. Man bezeichnet sie als Scanner-Persönlichkeiten. Diese Menschen begeistern sich für vieles, gehen verschiedene Dinge entweder nacheinander oder gleichzeitig an, verlieren aber nach einiger Zeit das Interesse. Sie langweilen sich und können sich nicht länger auf das zunächst spannend empfundene und mit viel Eifer bearbeitete und erlebte Gebiet konzentrieren. Spätestens dann richten Scanner-Persönlichkeiten ihren Fokus auf eine neue Sache.

Wer nun glaubt, ein Scanner sei oberflächlich oder flatterhaft, der irrt. In der Psychologie ist der Begriff Scanner-Persönlichkeit schon länger bekannt. Er geht zurück auf die US-Autorin Barbara Sher, die in ihrem Buch “Du musst dich nicht entscheiden, wenn du tausend Träume hast” aus dem Jahre 2012 entsprechende Charaktere beschrieb. Sher führt das Phänomen Scanner-Persönlichkeit vor allem auf genetische Ursachen zurück. Das kann, muss aber nicht so sein.

Fülle von Eingebungen

Scanner sind hochbegabte, kreative Persönlichkeiten mit einer unendlichen Zahl immer wieder neuer Ideen und Interessen. Sie sind jedoch nicht in der Lage, sich auf ein einzelnes Lebensthema – beruflich oder privat – zu beschränken. Scanner widmen sich einem Gebiet, arbeiten sich intensiv ein, verstehen Zusammenhänge oftmals überaus schnell. Haben sie das Aufgabengebiet gescannt und kennengelernt, wird ihnen langweilig. Eine neue Aufgabe muss her. Will man sie bekehren und auf einen anderen Weg bringen, fühlen sie sich regelrecht beschnitten. Scanner-Persönlichkeiten bekommen ihre fortdauernde Energie aus der Fülle ihrer Eingebungen und Möglichkeiten.

Probleme vorprogrammiert

Das alles bringt Probleme mit sich. Vor allem in einer Gesellschaft, die propagiert, Ziele geradlinig verfolgen zu müssen, sich zu spezialisieren und den Lebenslauf möglichst ohne Umwege zu absolvieren. Das Multitalent eines Scanners wird von der Umwelt skeptisch betrachtet. Scanner-Persönlichkeiten passen nicht in das gewohnte Bild eines stringenten, erwartungsgemäßen Verhaltens und Handelns. Das drängt Scanner in eine Außenseiterrolle. Häufig werden sie von Arbeitskollegen oder auch Bekannten gemieden. Zu unverständlich bleibt ihr Verhalten, zu neidvoll der Blick auf normalerweise langdauernde Aufgaben, die Scanner praktisch „mit Links“ lösen. Das erzeugt einen ungeheuren, emotionalen Druck. Persönlicher Rückzug kann sogar Depressionen auslösen.

Hinzu kommen wachsende Selbstzweifel. Denn natürlich nimmt auch ein Scanner sein Handeln und seine Situation bewusst wahr. Der stete Wechsel im persönlichen Engagement für eine Sache, die zunächst spannend, nach einiger Zeit aber ermüdend und wenig erfüllend ist, führt zu Unzufriedenheit.

Wege aus dem Interessenkonflikt

Eine Scanner-Persönlichkeit kann durch ein psychologisches Coaching, abgestimmt auf die individuellen Bedürfnisse des Betroffenen, nachhaltig geholfen werden. Dabei geht es nicht darum, sich in irgendeiner Form zu verändern oder sein verhalten anzupassen. Entscheidend ist, sich selbst als Scanner anzunehmen und sein kreatives, von Begabung geprägtes Verhalten, zu akzeptieren und auf neue Weise umzusetzen. In meiner Praxis konzentriere ich mich auf die eigenen Stärken Betroffener. Sie müssen geweckt und anwendbar werden.

Um auf die zuzugreifen, kann eine begleitende Hypnosetherapie unterstützend wirken. Sie führt Betroffene behutsam und sanft an ihre versteckten Ressourcen heran. Über diese internen Speicher wird die eigene Energie mobilisiert, die ein Um- und Neudenken bewirkt.