“Glück und Glas – wie leicht bricht das”, lautet ein bekanntes Sprichwort. Gestern schwebt man noch auf Wolke 7, heute kann schon alles zu Ende sein. Eine Garantie für traute Zweisamkeit gibt es leider nicht. In den seltensten Fällen geht eine Beziehung im “gegenseitigen Einverständnis” in die Brüche. Fast immer bleibt ein Partner zurück, emotional verletzt, verlassen, und fällt dabei in ein seelisches Tief.

Trauer als Verarbeitung

Viele möchten sich am liebsten vergraben, meiden Freunde und Familie und ziehen sich erst einmal zurück. Das ist gut und sinnvoll, denn Trauer ist eine wichtige Form der Verarbeitung. Je länger eine Beziehung dauerte, desto schwerer fällt es mit der neuen, oft plötzlich auftretenden Situation des Alleinseins klarzukommen.

Untersuchungen haben ergeben, dass Liebeskummer nach einer Trennung körperlich ähnlich wirkt, wie ein schwerer Drogenentzug. Die Produktion der sogenannten Glückshormone Serotonin und Dopamin wird fast vollständig zurückgefahren. Dafür wird der Körper von Schmerz und Verzweiflung überflutet.

Zeit für Neues

Wer unter diesem Verlust emotional leidet, versucht häufig, schnell eine neue Beziehung aufzubauen. Aus psychologischer Sicht einer der größten Fehler, den man in der ohnehin schwierigen Situation machen kann. Denn zunächst und vor allem ist es wichtig, sich selbst wiederaufzubauen und neue Stärke zu finden, bevor man eine Partnerschaft eingeht. Dabei ist es völlig unwichtig, wie bzw. warum es zu einer Trennung kam.

Warum spielt der Faktor Zeit eine Rolle? – Wer vom Partner oder der Partnerin verlassen wurde, gerät automatisch in die Opferrolle. Wird allzu rasch eine neue Beziehung begonnen, wird er oder sie sich automatisch und unbeabsichtigt einen Partner oder eine Partnerin suchen, die oder der Stärke besitzt. Damit ist das Ungleichgewicht vorprogrammiert. Eine solche Partnerschaft kann zu Anfang gut gehen und funktionieren. Doch schon bald zeigen sich erste Differenzen. Denn erfolgreiche Partnerschaften bestehen aus einem Geben und Nehmen, sind emotional ausgeglichen.

Ein wenig Selbstdisziplin

Natürlich ist für jemanden, der verlassen wurde, seelische Unterstützung wichtig. Diese Hilfe kann beispielsweise seitens der Familie oder der engsten Freunde kommen. Achten Sie aber darauf, nicht Gott und die Welt in ihre Probleme miteinzubeziehen. Behalten Sie Disziplin, oder besser gesagt, Contenance. Und auch den Bekanntenkreis sollten Sie nicht überstrapazieren. Niemand möchte immer und immer wieder hören, warum und wie es zum Bruch der Beziehung gekommen ist. Ein gesundes Maß an Kommunikation und ein wenig Disziplin erhalten die so wichtige Freundschaft.

Abstand gewinnen

Ein weiterer, wichtiger Punkt ist die Zurückhaltung. Häufig versuchen Menschen, die vom Partner verlassen wurden, diesen zurückzugewinnen. So verständlich es ist, und so schwer es fällt: Verzichten Sie darauf. Es lohnt sich nicht, um jemanden zu kämpfen, der sich bereits gegen Sie entscheiden hat. All das ist nur selbstverletzend. Vor allem suchen Sie Mitgefühl im Leid, und das ist sicher nicht das, was Sie wollen. Stellen Sie den Kontakt zu dem oder der Ex ein, und das für mindestens vier Wochen. Ob danach eine Freundschaft entsteht, bleibt abzuwarten.

Diese Abwendung hat viele Vorteile: Vor allem können Sie sich auf sich selbst konzentrieren. Der Schmerz wird nicht immer wieder erneuert. Zudem geben Sie auch dem anderen Partner, der sich vielleicht sogar für jemand anderen entscheiden hat, die Chance, sich auf eben diese neue Person zu konzentrieren. Auch das darf sein.

Selbstwertgefühl stärken

Ein weiterer wichtiger Tipp: Achten Sie auf sich selbst. Soll heißen: Lassen Sie sich nicht gehen. Natürlich sind Bett und Bademantel für viele nach einer Trennung fast die einzigen Begleiter. Doch das zieht emotional nur noch weiter herunter. Seien Sie offen für Aussehen und Pflege. Auf diese Weise legen Sie sich eine Art Rüstung zu, die nur Sie selbst aussuchen und dessen positive Wirkung nicht nur auf andere, sondern vor allem auf Sie selbst Einfluss nimmt.

Neue Projekte angehen

Trauer und Schmerz lassen sich durch Ablenkung verringern. Dabei geht es nicht um Videos oder Computerspiele. Diese lenken nur vordergründig ab. Suchen Sie sich ein größeres Projekt, in das Sie Zeit und Engagement investieren. Wie wäre es zum Beispiel mit dem Erlernen einer neuen Sprache? – Oder einem VHS-Kurs? – Bieten Sie anderen, zum Beispiel älteren Menschen, Ihre Hilfe und Unterstützung an, oder machen Sie Krankenhausbesuche. Damit lenken Sie die Konzentration auf etwas völlig anderes und schöpfen neue Kraft aus noch unbekannten Erfahrungen.

Dieses „neue Unbekannte“ können Sie zusätzlich durch eine Veränderung Ihrer Umgebung erreichen. Vor allem dann, wenn Sie in der bisherigen, gemeinsamen Wohnung zurückgeblieben sind. Befreien Sie sich von alten Erinnerungen, packen Sie alles in einen großen Karton, und dann ab damit in den Keller. Räumen Sie um, stellen Sie Möbel um, oder sorgen Sie für einen sprichwörtlichen Tapetenwechsel.

Professionelle Hilfe

Wenn Sie bei Ihrer Verarbeitung des Trennungsschmerzes allein nicht weiterkommen, hilft Ihnen ein psychologisches Gespräch. Im Rahmen einer Krisenintervention werden gemeinsam neue Strategien entwickelt, das Tal der Tränen aus eigenem Antrieb zu verlassen. Tipps von außen bieten manchmal überraschende Möglichkeiten.

Vergessen Sie nicht: Alles Schlechte hat auch etwas Gutes. Trennungsschmerz und Liebeskummer besitzen ein immens großes Veränderungspotential. Denn was man bislang zu zweit machte, muss nun erst einmal allein bewältigt werden. Das stärkt, macht angstfrei und verwandelt Trauer in Mut. Es gibt nicht nur die eine, große Liebe.

Tipps gegen Trennungsschmerz

• Sich selbst Zeit zum Trauern geben

• Nicht gleich in eine neue Partnerschaft stürzen

• Nur die engsten Freunde als Seelentröster miteinbeziehen

• Abstand zum bisherigen Partner gewinnen

• Selbstwertgefühl stärken und auf sich achten

• Ablenkung durch neue Projekte

• Tapetenwechsel und Neueinrichtung