“Wir verstehen uns ohne viele Worte” – Ein Satz, den man vor allem in Beziehungen – ganz gleich, ob frisch oder länger andauernd – öfters hört. Auf den ersten Blick klingt diese Feststellung nach Einigkeit und Glück: Man denkt, fühlt und handelt gemeinsam, spürt im Voraus, was der andere wünscht. Schöner könnte es nicht sein. – Oder doch?

So gut Partner sich auch verstehen – es geht nicht ohne regelmäßige Kommunikation. Eine Beziehung hat nur dann Bestand, wenn beide Seiten sich über die eigenen Wünsche, aber auch entstandene Probleme austauschen. Kommunikation ist, nicht zuletzt, ein entscheidender Weg bei der Lösung von Konflikten.

 

Wie Frauen und Männer kommunizieren

Miteinander zu reden, ist die Basis für eine Beziehung. Nur so kann Nähe tatsächlich gelebt werden. Denn das “wortlose Verständnis”, wie ich es eingangs erwähnt habe, ist stets oberflächlich. Es mag ein Hinweis auf Harmonie sein – doch wer niemals mit dem anderen spricht, ihm oder ihr seine Hoffnungen, Pläne oder auch belastenden Dinge mitteilt, wird den Partner und dessen Bedürfnisse irgendwann aus den Augen verlieren.

Natürlich kommunizieren Frauen und Männer unterschiedlich. Männer unter sich gehen in Gesprächen über Frauen kaum in die Tiefe und reden seltener negativ über das andere Geschlecht. Frauen sind da anders: Sie sprechen mit Freundinnen überaus detailliert und ausschweifend über Männer und scheuen auch vor negativer Kritik nicht zurück. Frauen neigen deshalb auch dazu, Probleme in der Beziehung zunächst mit der Freundin zu besprechen. Ein Fehler.

Beziehungsprobleme intern lösen

Konflikte in einer Partnerschaft sind nicht angenehm. Man möchte ihnen am liebsten aus dem Weg gehen, scheut das gemeinsame Gespräch. Ein Grund, warum Männer eher schweigen und sich Frauen anderen Frauen zuwenden. Eine gute Beziehung muss allerdings die Lösung von Konflikten und Streit aushalten. Und das funktioniert nur über das gemeinsame Gespräch. Denken Sie daran: Das zugrundeliegende Problem ist ein überaus eigenes, privates und individuelles, das primär nur und ausschließlich die beiden Partner etwas angeht.

Streit in einer Beziehung entsteht fast immer aus Alltagssituationen heraus: Stress im Beruf, Probleme bei Haushaltsführung und Kinderbetreuung, unterschiedliche Vorstellungen von Urlaub oder Freizeitgestaltung – die Liste könnte man beliebig fortsetzen. Vor allem nach der Geburt eines Kindes verfallen beide Seiten häufig in veraltete Geschlechterrollen. Frauen müssen nicht selten den Spagat zwischen Haushalt, Familie und Job bewältigen und stehen unter dem persönlich auferlegten Druck, alles perfekt machen zu müssen. Es entsteht ein Spannungsfeld, vor allem dann, wenn der Partner “business as usual” betreibt und die Probleme nicht erkennt.

! Meine Tipps:

 

  • Setzen Sie auf die Lösung des Konfliktes nicht dessen Ursache. Soll heißen: Ein Streit, der aus einer Stresssituation heraus entsteht, darf und kann nicht im beiderseitigen, gestressten Zustand gelöst werden. Ein Gespräch sollte also in einer ruhigen und entspannten Atmosphäre stattfinden, beispielsweise dann, wenn die Kinder im Bett sind.
  • Zudem ist es wichtig, die Probleme aus der Ich-Perspektive zu schildern: “Ich habe mich darüber geärgert, dass Du heute wieder zu spät warst, obwohl wir doch eine Verabredung hatten.” Überhäufen Sie den anderen nicht mit Vorwürfen, das drängt ihn oder sie in eine Form der Defensive. Bleiben Sie sachlich, dann nimmt ihr Gegenüber die Schilderungen auch nicht persönlich.

Unterstützung durch Beziehungscoachings

Nicht immer funktioniert das kommunikative Miteinander automatisch. Und nicht selten fragen sich Paare, wie ein Gespräch überhaupt in Gang kommen kann. Lösung bieten Beziehungscoachings, in denen Partner behutsam und individuell erlernen, aufeinander zuzugehen, zuzuhören aber auch eigene Probleme zu äußern.