Schon Antoine de Saint-Exupéry ließ den kleinen Prinzen feststellen: “Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar”. “Das Wesentliche” im Allgemeinen kann verschiedene Formen und Ausprägungen annehmen. Vor allem in der Psyche des Menschen liegen viele Auslöser für Erkrankungen und Störungen im Verborgenen. Sie nehmen nachhaltig Einfluss auf unser Denken und Erleben. Wie beispielsweise das Innere Kind.

Das Innere Kind stellt als psychologisches Modell Emotionen und Prägungen eines längst durchlebten und gefühlt abgeschlossenen Kapitels unserer Lebensgeschichte dar. Insofern ist es nicht wirklich greifbar. Es ist ein Modell, das dabei hilft, uns mit Erinnerungen unserer Kindheit auseinanderzusetzen. Man könnte auch sagen, neu auseinanderzusetzen. Denn das Innere Kind war und ist schon immer da. Unerkannt – und doch mit erheblichen Einflüssen auf das spätere Denken, Fühlen und Handeln.

Gefühle im Abseits

Entworfen wurde das Konstrukt des Inneren Kindes vom US-amerikanischen Psychologen John Bradshaw, später weiter entwickelt von den beiden Psychotherapeutinnen Erika J. Chopich und Margaret Paul in ihrem Buch “Aussöhnung mit dem Inneren Kind”. Der Ansatz ist einfach: Erst, wenn wir verdrängte Erlebnisse – positiv aber auch negativ – im Erwachsenenalter zulassen und sie in unser Denken und Dasein integrieren, können wir unser gesamtes Potential entfalten und fühlen uns nicht länger gehemmt, fremdgesteuert, oder gar isoliert. Das Innere Kind steht also sowohl für positive als auch negative Erfahrungen, den damit verbundenen Gefühlen und dem Denken und den daraus resultierenden Handlungsweisen.

Die Umsetzung erscheint umso schwieriger. Denn das Innere Kind mit all seinen abgespeicherten Erfahrungen wurde und wird nur allzu gern und völlig automatisch ins Abseits gedrängt. Was in unserem Gehirn an Erfahrungen, Sichtweisen und Gefühlen einmal als negativ abgespeichert wurde, möchte man nie mehr zulassen. Man entwickelt Strategien zur Abschottung dieser “Daten” – und verzweifelt doch immer stärker an diesem selbst gewählten Vorgehen. Denn Unterbewusstes, das aus Angst, Abscheu oder Verleugnung in irgendeiner Form auch unerledigt blieb, drängt an die Oberfläche, beeinflusst die Psyche und belastet die Seele. Das Innere Kind schreit förmlich nach Hilfe.

Wichtiger Teil seiner selbst

Vieles in unserem späteren Handeln und Denken wird beeinflusst durch das Innere Kind. Es möchte uns schützen, verlangt aber gleichzeitig und nachdrücklich Antworten auf ungeklärte Fragen und unerklärliche verletzende Erlebnisse. Manchmal nehmen wir das daraus resultierende, aktuelle Handeln und Denken wahr, beurteilen es beispielsweise als unlogisch, belastend oder einschränkend. Doch je mehr wir die Vergangenheit umgehen, verleugnen und verdrängen, desto mehr schreit sie förmlich nach Beachtung. Verdrängung ist niemals eine Form der Konfrontation. Gerade dieses Zugehen auf die abgelegten Erfahrungen vergangener Lebensphasen, schafft aber neue Möglichkeiten, sie in den Alltag zu integrieren und sie nicht mehr als Bedrohung, sondern als Teil seiner selbst zu begreifen und zu akzeptieren.

Arbeit am Inneren Kind

Die Folgen einer unerledigten oder fehlerhaften Aufarbeitung von Kindheitserlebnissen sind mannigfaltig. Viele Betroffene ziehen sich aus dem Alltagsleben zurück, isolieren sich, oder entwickeln neue Lebensmuster, die sie in ihrer Persönlichkeit nicht nur immer weiter einschränken, sondern auch verändern. Die sogenannte Traumabindung, einfach ausgedrückt, die Unfähigkeit negativ Erlebtes tatsächlich als solches zu verstehen und loszulassen, ist nur ein Beispiel für eine mangelnde Auseinandersetzung mit dem Inneren Kind. Betroffene leiden nicht selten unter Verlustängsten und mangelndem Selbstbewusstsein, fühlen sich fremdbestimmt, oder neigen zu Vermeidungsverhalten.

Ziel der Arbeit am Inneren Kind ist, einerseits auf die versteckten Speicher und somit Erfahrungen zuzugreifen, andererseits das Erlebte behutsam und nachhaltig in den Lebensalltag (neu) zu integrieren. Es geht um die Selbstakzeptanz und den inneren Dialog, aber auch um die Aktivierung von Stärke und Mut. Die Hypnosetherapie bietet erfolgreiche Möglichkeiten, das Innere Kind anzusprechen und sich mit ihm auseinanderzusetzen. Vorausgehend steht immer eine individuelle Anamnese. Eigene Erfahrungen und die persönliche Lebensgeschichte bilden die Grundpfeiler der anschließenden Therapie.

Das Innere Kind – kurzgefasst:

  • Eine modellhafte Betrachtungsweise innerer, im Gehirn abgespeicherter Erlebnisse
  • Ziel der Therapie: Seelische Wunden aus der Vergangenheit und Gegenwart zu heilen
  • Hintergrund: Selbstverantwortliche und selbstkompetente Lösung bestehender Probleme, wie Selbstverleugnung, fehlendes Selbstwertgefühl, Isolation, Depression, Vermeidungsverhalten
  • Nachhaltig wirkt die Hypnosetherapie, bei der nicht nur die schrittweise Konfrontation mit Erlebtem erzeugt, sondern auch die Fähigkeit eigener Stärke aktiviert wird