Schuldgefühle, Ängste vor dem Alleinsein, die Sehnsucht nach Bindung und die gleichzeitige Furcht vor zu viel Nähe – all das sind bedrückende Gefühlszustände, die sich negativ auf unsere Psyche auswirken. Nicht wenige Menschen, die in meine Praxis kommen, beschreiben diese Probleme, die sie über viele Jahre, teils sogar Jahrzehnte, mit sich tragen. Ein Umdenken, veränderte Handlungsweisen, auch Orts- oder Jobwechsel blieben bislang erfolglos. Und so trägt man die Last weiterhin mit sich, ungewiss der eigentlichen Ursache.

Diese ist in einigen Fällen überraschend, für den Betroffenen sogar schockierend. Grund für die beschriebenen Belastungen kann ein verlorener Zwilling sein, oder die Tatsache, als alleingeborener Zwilling auf die Welt gekommen zu sein. Das Phänomen kommt häufiger vor, als man denkt: Neuere Studien gehen davon aus, dass jede dritte Schwangerschaft mit Mehrlingen beginnt.

Verlust des Gegenübers

Das bedeutet, dass im Mutterleib zunächst zwei, manchmal sogar drei Embryonen vorhanden waren. Die Reise ins Leben begann für den schließlich Alleingeborenen nicht als Einzelkind, sondern gemeinsam mit engen Geschwistern. Diese Erfahrung blieb im bewusst Verborgenen. Nicht jedoch in den emotionalen Erinnerungen. Man darf nicht vergessen, das Ungeborene bereits ab der 10. Schwangerschaftswoche Geräusche und Kontakte wahrnehmen, nicht zuletzt im Inneren des Körpers und der Gebärmutter. Nähe spielt hierbei eine überaus große Rolle. Ein ungeborener Zwilling fühlt sein Gegenüber, spürt Berührungen, den Herzschlag und die Bewegungen.

In einigen Fällen verstirbt ein Zwillingspartner, sei es, weil der Embryo nicht lebensfähig, oder weil er zu schwach war. Gerade für ältere Generationen von Müttern blieb dieses Ereignis unbeachtet. Zudem war die Pränatalmedizin diagnostisch und mit ihren bildgebenden Verfahren noch nicht auf dem heutigen Stand. Vielleicht scheute der Arzt die Wahrheit, um die werdende Mutter nicht zusätzlichen Belastungen und Stress auszusetzen.

Folgen für das spätere Seelenleben

Geblieben ist eine abgespeicherte Erinnerung – vor allem beim schließlich alleingeborenen Zwilling. Er verlor die zunächst vorhandene Nähe zum anderen, verlor die Bezugsperson, an die er sich bereits emotional und physisch gewöhnt hatte. Die negativen Erfahrungen nimmt das Ungeborene schon im Mutterleib wahr. Es fühlt sich verlassen, erleidet Angstgefühle, Ohnmacht, kann sich aber nicht äußern, nicht schreien, nicht wirklich trauern. Das Erlebte sitzt tief, nicht abrufbar, nicht in Worten ausdrückbar, und doch mit deutlichen und belastenden Auswirkungen auf das spätere Denken, Fühlen und Handeln Betroffener.

Die Folgen sind vielfältig und in ihrer Ausprägung überaus unterschiedlich. Einige alleingeborene Zwillinge leiden an Depressionen, andere unter einem starken Kontrollbedürfnis. Manche versuchen, den verlorenen Gegenpart in den Partner zu projizieren und werden doch enttäuscht. Den ersehnten Gleichklang im Fühlen und Denken kann eine fremde Person nicht vermitteln und realisieren. Die Sehnsucht nach Nähe, aber die gleichzeitige Angst vor Trennung oder dem Verlassenwerden bedrückt sie. Auch unerklärbare Ängste und Panik, übertriebene Eifersucht und ein geringes Selbstwertgefühl sind Anzeichen für das unbewusste Verarbeiten von Erlebtem eines alleingeborenen Zwillings.

Hypnosetherapie bei alleingeborenem Zwilling

Hilfe ist möglich. Am Anfang steht auch in diesem Fall eine fundierte Anamnese. Die Lebensgeschichte des oder der Betroffenen liefert bereits Anhaltspunkte auf die mögliche Ursache alleingeborener Zwilling. Um das Problem nachhaltig anzugehen und zu verarbeiten, muss schließlich der Zugriff auf das Unterbewusste erfolgen. Die Hypnosetherapie, die ich in meiner Praxis erfolgreich anwende, bietet die besten Möglichkeiten.

Eine Hypnosetherapie verläuft in zwei wichtigen Therapiesträngen: Zum einen geht es um das schon beschriebene Abrufen tiefsitzender, verdrängter Erinnerungen und Ereignisse aus dem Unterbewusstsein. Zum anderen kann die Hypnosetherapie die notwendigen Kräfte mobilisieren, die Betroffene dabei unterstützen, das Geschehene als Teil von sich zu akzeptieren und ihr Leben auf Basis dieses wertvollen Hintergrunds, ein alleingeborener Zwilling zu sein, neu zu ordnen. Vor allem auf Spannungen innerhalb der Partnerschaft und der Familie kann das wichtige, positive Einflüsse haben.

Psychische Symptome und Anzeichen für einen alleingeborenen Zwilling:

  • Depressionen
  • Sehnsucht
  • Angst vor dem Alleinsein
  • Verlustängste
  • Helfersyndrom
  • Kontrollzwänge
  • Co-Abhängigkeit
  • mangelndes Selbstwertgefühl
  • Eifersucht
  • Panikattacken
  • starke, emotionale Gefühlszustände