“Jeder Versuch, sich mitzuteilen,
kann nur mit dem Wohlwollen des Anderen gelingen.”
Max Frisch

Max Frisch war nicht nur ein begnadeter Schriftsteller, er liebte auch die Kommunikation. Dabei ging es ihm nicht nur darum, seine Position zu vertreten, oder eigene Gedanken zu formulieren, die er sicher reichlich besaß. Frisch war es wichtig, andere Meinungen aufzunehmen, zu diskutieren und auch zu akzeptieren.

Man lernt aus einem Gespräch, erfährt Neues und gibt für sein Gegenüber vielleicht Unbekanntes preis, möglicherweise liefert man aber auch bislang unbekannte Denkanstöße. Dieses grundlegende Verständnis von Kommunikation ist sicher für jeden von uns die Basis eines funktionierenden Gesprächs.

Verbaler Ballwechsel

Ein Gespräch ist kein Monolog. Es gehören mindestens zwei Menschen dazu, um sich miteinander auszutauschen. Abseits dieser rein sachlichen Zahlenkonstellation besteht ein echtes, gutes Gespräch auch aus einem sogenannten “Flow”. Gemeint ist damit, dass der verbale “Ballwechsel” nicht nur einmal, zweimal, oder vielleicht dreimal erfolgt.

Ein Gespräch ist ein eloquentes Miteinander, aus dem aus Worten Inhalte werden, die wiederum die Grundlage zu neuen Meinungen und Konstrukten bilden. Ein gutes Gespräch bedeutet, den anderen zu umarmen. Diese Umarmung muss von beiden Seiten erfolgen, nur dann profitiert jeder Teilnehmer von dieser Form der Kommunikation.

Monolog und Schuldzuweisungen

Das alles klingt gut und nachvollziehbar. Doch sicher kennen auch Sie Menschen, bei denen ein Gespräch bereits im Keim erstickt. Glücksgefühle treten nicht auf, es fehlt eine verbale Umarmung, ein Flow kommt nicht zustande. Irgendwie ist eine echte Kommunikation nicht möglich. Und Sie fragen sich: Liegt es an mir? Liegt es am Gegenüber? Oder mangelt es einfach am passenden Thema? Die Antwort lautet: Nichts von alledem ist richtig. Sie sind lediglich an einen Narzissten geraten.

Narzissten sprechen nicht mit jemandem, sondern erzählen in erster Linie von sich selbst. Sie verfallen in Monologe, in der sie zum Beispiel von der eigenen Großartigkeit, oder ihren grandiosen Erlebnissen berichten. Kleinigkeiten werden oft und gern zu etwas ganz Besonderem stilisiert. Das Publikum, der Gesprächspartner, bleibt dabei allenfalls Stichwortgeber.

Typisch für einen Narzissten ist zudem, dass er in seinen Ausführungen gerne klagt und sich über andere Personen oder gar Situation beschwert. Häufig sind es Schuldzuweisungen, die dem aufmerksamen Zuhörer entweder unsachlich oder auch unbedeutend erscheinen. Alle anderen Menschen sind unfähig, nur der Narzisst selbst ist das vordergründige Glanzlicht in der Geschichte. Mitarbeiter von Hotlines können ein Lied davon singen: Telefonate mit einem Narzissten enden wenig konstruktiv.

Die narzisstische Gesprächsführung

Gespräche mit einem Narzissten haben nichts mit echter Kommunikation gemein. Schon der Wortbestandteil “Kom” für “Miteinander” funktioniert nicht. Typisch für einen Narzissten ist übrigens der Gebrauch von Einwänden und Widersprüchen. Spricht man beispielsweise darüber, wie schlecht das Wetter in der vergangenen Woche war, wird der Narzisst einwenden, dass der Dienstag oder Mittwoch doch ein paar sonnige Stunden zu bieten hatten. Das Eingehen auf Hintergründe bleibt hingegen aus.

Ein weiteres Charakteristikum für einen Narzissten ist, dass er in einem Gespräch stets den Kern einer Aussage umgeht. Seine Ausführungen enden meist mit einer Bemerkung, welche an Absolutheit grenzt. Gern wechselt eine narzisstische Person auch abrupt das Thema.

Innerhalb des Gesprächs versucht der Narzisst, den anderen zu entwerten, um sich selbst zu erhöhen. Dabei ist er nicht authentisch, ansonsten würde er sein selbst geschaffenes, übertriebenes und “glanzvolles” Bild zerstören.

Wettbewerb contra Geben und Nehmen

Besonders interessant wird es, wenn zwei Narzissten aufeinandertreffen. Für einen Moment lang wird die Gesprächssituation für beide Seiten geradezu berauschend sein. Doch schon bald entwickelt sich aus dem anfänglich egozentrischen Agieren eine Art narzisstischer Wettbewerb. Jede Seite wird versuchen, die Gegenseite zu übertrumpfen. Irgendwann kommt es zu Monologen, bei denen jeder am anderen vorbeiredet.

Menschen, die in ein Gespräch vertieft sind, hören dem anderen hingegen aufmerksam zu. Sie zeigen sich als echte Gesprächspartner und damit gleichwertig und unbefangen; Egoismus und Machtansprüche finden keinen Raum. Das Gespräch verläuft auf Augenhöhe; es dreht sich inhaltlich um ein Geben und Nehmen.

Tipps zur Gesprächsführung mit Narzissten

Narzissten wollen in einem Gespräch Schuld und Schmachgefühle bei ihrem Gegenüber auslösen. Daher sollten Sie während des Gesprächs eher desinteressiert agieren und nicht wirklich bemüht sein, auf etwas einzugehen. Reaktionen, wie “Das kenne ich schon” oder “Damit erzählst Du mir nichts Neues”, bringen einen Narzissten schnell aus seiner Bahn. Äußern Sie etwas ähnlich Banales, oder seien Sie es, der spontan das Thema wechselt. Am Telefon hilft der Satz: “Sprich’ doch bitte lauter, ich verstehe Dich nicht”.

Verdeckte Narzissten haben einen eher unkonkreten Stil innerhalb der Gesprächsführung. Sie lassen häufig etwas weg, verlegen sich auf Andeutungen und Umschreibungen, wollen sich nicht festlegen. Schon gar nicht auf die eigene, oder die Meinung des anderen.

Bedenken Sie auch, dass Narzissten oftmals mit einer geradezu perfiden Manipulationstechnik, dem sogenannten “silence treatment”, arbeiten. Sie schweigen, und hoffen damit, beim Gegenüber eine stille Anklage zu erzeugen. Drehen Sie den Spieß einfach um. Loben Sie aus dem Stehgreif heraus etwas am Narzissten. Oder akzeptieren Sie die Situation, getreu dem Motto: “Wenn nichts zu sagen ist, ist halt nichts zu sagen.”

Vergessen Sie nie: Ein Narzisst sieht seinen Gesprächspartner lediglich als Instrument, mit dem er oder sie ein Konzept umsetzen will. Die beste Hilfe ist übrigens, öfters mal mit normalen Menschen zu sprechen. So verlieren Sie niemals den Glauben an ein gutes Gespräch.