Die Nachricht traf sie, wie ein Messerstich: „Wir haben etwas auf dem CT entdeckt“, hatte der Arzt ihr vorsichtig eröffnet. An die anschließenden Erklärungen konnte sie sich nur noch bruchstückhaft erinnern. Die Worte „Tumor“ und „Krebs“ fielen. Diese beiden Begriffe, vom Facharzt ebenso medizinisch wie sachlich geäußert, ließen in ihr eine Welt zusammenbrechen. Es war die eigentlich heile Welt, in der sie Gesundheit zwar als „wichtigstes Gut“, wie es häufig auf Glückwunschkarten zu lesen ist, eingeordnet, aber niemals als echten Wert bewusst wahrgenommen und geschätzt hatte. Jetzt fühlte sie sich zerbrechlich, verletzt, angegriffen von diesem Krebs, der so viele Gesichter hat und so rasch Dinge, ja, ein ganzes Leben, verändern kann.

Umdenken notwendig

Die folgenden Wochen waren geprägt von Gesprächen mit ihrem Hausarzt, mit der Familie und mit Freunden. Ihr wurde schon bald klar, dass sie den Kampf gegen den Krebs, abseits aller medizinischen Behandlungen und Medikamente, mit aller Kraft aufnehmen will. Sie erkannte aber auch, dass sie diese Kraft nur bedingt allein und aus sich selbst heraus aufbringen könnte. Ein Umdenken war notwendig. Es war entscheidend, dass sie sich nicht nur etwas einreden, sondern offensiv und überaus bewusst ihre psychischen Möglichkeiten nutzen wollte. Allein, die Strategien und die Herangehensweise waren ihr gänzlich unbekannt.

Ihr Hausarzt informierte sie schließlich über den Bereich der Psychoonkologie und darüber, in welcher Weise Betroffene dort Hilfe finden. All das war die Grundlage für ihre nachhaltige Entscheidung im Einklang mit der medizinischen Therapie, aber auch mit dem festen Ziel der Heilung.

Individuell und persönlich

Eine psychotherapeutische Begleitung bei Krebs ist nicht nur für den Patienten selbst wertvoll und wichtig, sie ist auch ein entscheidender Baustein, sich im bestehenden, sozialen Gefüge aus Familie und Freundeskreis neu zurecht zu finden. Der Therapeut ist die einfühlsame Stütze, die helfende Hand, für den Weg mit der und durch die Krankheit. Gemeinsam werden Etappensiege erarbeitet und Lösungen gefunden. Gemeinsam werden seelische Kräfte mobilisiert, stets individuell und auf die eigene Psyche abgestimmt.

Der Erfolg der Psychoonkologie verlangt ein großes Maß an Vertrauen: Vertrauen in den Therapeuten oder die Therapeutin, aber, nicht zuletzt, auch Vertrauen in sich selbst und seine seelischen Kräfte. Diese zu stärken ist eines der wichtigsten Ziele der Psychoonkologie. Dabei werden keine Aufgaben erteilt, auch wird der Krebspatient nicht passiv mit Dingen konfrontiert, von denen er nicht überzeugt ist. Psychoonkologie ist das aktive Miteinander von Patient und Therapeut. Nur dann wird nicht nur der Weg zum Ziel, sondern das Ziel zum Erfolg.